News

Simon Dössegger, CEO modum.io AG, im Interview

News

Simon Dössegger, CEO modum.io AG, im Interview

Article

June 17, 2019

Our CEO Simon Dössegger had a conversation with Karin Bosshard from Moneycab (in German), and discussed how Modum has grown over the last 3 years, why we focus on the logistics industry and how Switzerland could use stronger investor networks that are connected beyond our country's boundaries. 

 

Read the original interview here.

 

Moneycab.com: Wie hat sich Ihr Startup in den letzten knapp drei Jahren entwickelt und was waren die wichtigsten Meilensteine in dieser Anfangsphase?

Simon Dössegger: Im Gründungsjahr 2016 haben die Gründer, vor allem Marc und Pascal Degen, das Problem der effektiven Zustandsüberwachung von sensitiven Gütern – beispielsweise der Versand von temperatursensitiven Medikamenten – aus ihrer beruflichen Erfahrung erkannt. Drei Jahre später, 2019, haben wir uns in der Supply Chain der Pharma Industrie mit unserer ersten Lösung in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Post und unseren Partnern SAP und Deloitte einen weltweiten Namen gemacht und sind uns am Internationalisieren. Von der ersten Idee und ausgeschriebenen Studienarbeit an der Universität Zürich haben wir uns zu einem stabilen, 30-köpfigen Unternehmen, solide finanziert und mit einer pharma-qualifizierten Lösung am Markt, entwickelt.

Wie sieht Ihre Strategie aus, um Ihr Unternehmen in die nächste Phase des Wachstums zu bringen, welche weiteren Meilensteine sind geplant und ab wann wollen Sie die Gewinnschwelle erreichen?

Wir legen weiterhin den Fokus auf Pharma und das Entwickeln von effizienten Lösungen. In Zusammenarbeit mit starken Partnern wollen wir uns aber auch in angrenzende Industrien positionieren, dazu zählen wir Medical Supplies und Food. Selber fokussieren wir uns auf den Marktausbau in der Schweiz und den Markteintritt in Europa, durch aktive Bearbeitung der DACH Region. Das übergeordnete Ziel dieses Jahres ist die ersten 10 Kunden zu haben und Produktprofitabilität zu zeigen. Eine Gewinnschwelle auf Stufe Unternehmen hat aufgrund des geplanten Wachstums dieses Jahr noch keine Priorität.

Welche Industrien oder Segmente sind heute schon so weit fortgeschritten, um Ihre Werkzeuge in reellen Geschäftsprozessen gewinnbringend einzusetzen?

Wir bewegen uns in der Logistikindustrie, weil wir der Überzeugung sind, dass dieser Bereich als nächster eine starke Digitalisierung durchlaufen wird. Grundsätzlich sehen wir da, wie auch in der Pharmaindustrie, dass die Basisinvestitionen für digitale Werkzeuge, wie wir sie anwenden, im Bereich Unternehmensverwaltung vielerorts bereits getätigt wurden und die Unternehmen sich jetzt ihrer Supply Chain Transparenz annehmen. Die Bereitschaft und das Marktinteresse sind also entsprechend da.

Welche Voraussetzungen müssen Unternehmungen strategisch, organisatorisch und technisch mitbringen, um Ihre Lösung nutzen zu können?

Eine Voraussetzung für unsere Lösungen ist die Bereitschaft, Supply Chain und Logistikprozesse so zu gestalten, dass man Messdaten über die transportieren Güter erfassen und sammeln kann. Speziell für Unternehmen, die sensitive Güter transportieren, ist dies aber bereits Alltag, wenn auch oft, die Systeme, die eingesetzt werden, noch nicht sehr effizient sind. Grundsätzlich sind die Voraussetzungen aber bei den meisten Unternehmen erfüllt.

Wenn die Voraussetzungen grundsätzlich da sind, was braucht es zusätzlich?

Um die Erkenntnisse, welche aus den gesammelten Daten gewonnen werden können, dann auch effizient und gewinnbringend nutzen zu können, braucht es zusätzlich die Flexibilität, bestehende Prozesse zu ändern oder dynamischer zu gestalten. Da muss natürlich auf die Ist-Situation Rücksicht genommen werden und Bestehendes schrittweise angepasst werden.

Unserer Erfahrung nach sind da Produktehersteller offener als Logistikunternehmen, weil sie stärker von den gesammelten Erkenntnissen profitieren. Aber in der Zusammenarbeit mit ihren Kunden erkennen auch Logistikunternehmen rasch den Mehrwert der erhöhten Transparenz und der Zusatzdienstleistungen, die sie ihren Kunden erbringen können.

Mit welchen Problemen sind Ihre Kunden in der Praxis konfrontiert, respektive welche Kompetenzen fehlen ihnen?

Wenn wir die Probleme unserer Kunden anschauen, dann erkennen wir oft, dass diese sich oft aus einer Kombination aus mangelnder Transparenz, mangelnder Automatisierung und mangelnder Optimierung, sprich der operativen Anwendung der Erkenntnisse aus den gesammelten Daten, zusammensetzen. Um da nachhaltig wertstiftende Lösungen zu bauen, werden gleichermassen Kompetenzen im Bereich des Datenmessens und -sammelns, der Geschäftsprozessautomatisierung und der daten-basierten Optimierung benötigt.

Und hier setzt dann Modum an …

Ja, richtig.

Was zeichnet Modum aus und was können Sie besser als Ihre Mitbewerber?

Modum ist aus meiner Sicht führend, wenn es darum geht, alle diese Kompetenzen an einen Tisch zu bringen und damit kundenspezifische Lösungen zu bauen und zu betreiben. Dass wir im Bereich der Geschäftsprozessautomatisierung auf Blockchaintechnologie setzen, macht uns darüber hinaus nochmals zusätzlich spannend, weil immer mehr Lieferkettenteilnehmer das grosse Anwendungspotential dieser dezentralen Technologie erkennen.

Welche Implementierungsformen bieten Sie für Ihre Software an und welche Form wird am meisten genutzt?

Grundsätzlich bieten wir unsere Lösungen als cloud-basierte Software-as-a-Service-Lösungen über die gängigsten Plattformen an. Je nach Kundenwunsch und Lösungsarchitektur bieten wir aber andere oder zusätzliche Optionen.

Bis anhin entwickeln Sie die Software vollständig in der Schweiz. Was wird in Zukunft wichtiger sein, die “Swissness” oder tiefere Kosten in Offshore-Entwicklungslokationen?

Die Entwicklung unserer ersten Lösung erfolgte bisher primär in der Schweiz, entweder direkt bei uns oder über Schweizer Partner. Die zentrale Zusammensetzung unseres Teams erfolgte aber eher aus Effizienzgründen. Genauso wichtig wie ein starkes Kernteam ist das Ausnutzen von internationalen Standort- und Kulturvorteilen, weshalb wir verteilte Teamstrukturen aktiv suchen und immer wieder prüfen. Um den hohen Qualitätsansprüchen im Pharmaumfeld gerecht zu werden, braucht es also nicht unbedingt Swissness – die hilft natürlich -, sondern primär eine firmenweite Qualitäts- und Fehlerkultur, egal an welchem Standort.

Die aus der Finanzbranche bekannte Blockchain-Technologie wird neu für das Tracking in der Logistik angewandt. Ist Blockchain also der grosse Heilsbringer, weil man damit die Prozesse günstiger und vor allem sicherer steuern kann?

Jein, klassische ERP Systeme helfen beim „täglichen Bürokram“ bereits enorm. Die Challenge liegt da, wo ein Lieferkettenereignis, z.B. eine zu hohe Ladungstemperatur aufgrund einer Verspätung auf dem Rollfeld, verlangt, dass ein Prozess im ERP-System des Unternehmens A einen Prozess im ERP-System des Unternehmens B auslösen muss. Die Frage stellt sich erst: Kann ich der Meldung über das  Lieferkettenereignis überhaupt trauen? Wo finde ich die Daten? Muss ich abklären, ob diese auch korrekt behandelt und gespeichert wurden? Genau hier hilft Modum mit dem Messaspekt.

Die nächste Herausforderung ist dann der Kommunikationsprozess: Wie kommuniziere ich das Lieferkettenereignis sicher von A nach B, ohne Daten zu teilen, die ich nicht will und ohne grosse Integrationsaufwände zwischen den beiden ERP Systemen. Da ist eine Blockchain eine spannende Lösung.

Und Drittens: Wenn das bereits einige Male passiert ist: Wie stelle ich sicher, dass ich aus den vorgängigen Daten die richtigen Konsequenzen gezogen habe und dass ich entweder das Lieferkettenereignis verhinderte oder die Anzeichen darauf rechtzeitig erkenne, damit ich angemessen darauf reagieren kann? Da können Artificial Intelligence und Machine Learning Technologien helfen, diese Schlüsse zu ziehen, idealerweise mit möglichst wenig menschlichem Zutun.

Die erste grosse Referenz in Modums Geschäft ist die Partnerschaft mit der Schweizerischen Post. Welche Logistikdienstleistungen ausserhalb der Schweizer Pharmadistributionsbranche werden jetzt in Angriff genommen?

Wir erfahren beispielsweise grosses Interesse von Herstellern von passiven Isolationsboxen für die Überwachung ihrer Produkte als Zusatzdienstleistung an deren Kunden. Und wir arbeiten mit mehreren Pharmaherstellern an neuen Anwendungsfällen, sei es die Überwachung von Halbfertigprodukten in der Kühlkette zwischen Produktionsstandorten oder die Überwachung von Kurierfahrzeugen in der nationalen Feinverteilung.

Die Schweiz ist Spitze, wenn es um Innovation, gut ausgebildete Spezialisten, funktionierende Infrastruktur sowie rechtliche und politische Stabilität geht. Was benötigen Startups zusätzlich, um vermehrt auch international erfolgreich zu sein?

Das Startup Ökosystem entwickelt sich – auch dank der aktiven Arbeit von vielen Förderinstitutionen – rasch und gut. Was aus meiner Sicht im Vergleich zu anderen Ökosystemen noch fehlt sind Investorennetzwerke, welche über die verschiedenen Landesteile hinaus verknüpft sind und die nötige Risikoaffinität und Weitsicht haben, den Startup Firmen das nötige Kapital auch für international konkurrenzfähige Serie A und B Finanzierungen zu sprechen.